Afrikanische Schweinepest rückt näher - von Kreisveterinär Dr. Simon Eimer

Kürzlich wurde ein Ausbruch der Afrikanische Schweinepest (ASP) bei zwei Stücken Schwarzwild in Südost-Tschechien in der Region Zlin festgestellt. So kurzfristig sind die Verbreitungswege in dieses Gebiet noch nicht erforscht, doch gerade die Tatsache, dass zwischen den bekannten Ausbruchsgebieten weiter im Osten und im Baltikum eine erhebliche Distanz von vielen hundert Kilometern liegt, wirft Fragen auf.

Schwarzwild

Schwarzwild, fotografiert von Birgit Leutgen

Ist die ASP unbemerkt durch die Schwarzwildpopulation über diese Distanz gewandert? Sind Menschen die Ursache für die Verschleppung?

Die Antworten sind (noch) nicht bekannt. Es ist unwahrscheinlich, dass eine unbemerkte Übertragung innerhalb der Schwarzwildpopulation über eine solche Distanz zum aktuellen Ausbruch in Tschechien geführt hat. Daher ist es dringend geboten, den Menschen als Transporteur und damit als Ursache der Ausbreitung von ASP auszuschließen.

Gerade Jägerinnen und Jäger als aktiver Teil des natürlichen Systems sind insbesondere aufgrund der roten Arbeit einem höheren Kontaktrisiko mit infizierten Wildschweinen ausgesetzt. Die mit der Jagdausbildung erworbene Sachkunde verpflichtet dazu, einen wesentlichen Teil der Tierseuchenprävention auszuüben und damit den Erhalt eines gesunden Bestandes zu sichern.

Jägerinnen und Jägern aus dem Rheinkreis Neuss, die zukünftig Jagdreisen in osteuropäische Länder unternehmen, sei deshalb erneut dringend angeraten, auf das Mitbringen von Produkten aus Wildschweinen zu verzichten und die Hygiene von Bekleidung und Ausrüstung penibel zu überwachen.

Zur Erinnerung:

Im Allgemeinen wird die Krankheit durch direkten Kontakt von Tier zu Tier übertragen (bei offenen Haltungsformen auch von Wildschwein zu Hausschwein oder umgekehrt). Ebenso ist aber eine indirekte Übertragung über virusbehaftete Personen, Kleidung, Futtermittel, Schlacht-/Speiseabfälle, Gülle/Mist, Jagdausrüstung oder sonstige Gegenstände möglich. Bei der Afrikanischen Schweinepest kommt insbesondere der Übertragung durch Blut oder mit Blut kontaminierten Gegenständen besondere Bedeutung zu.

Zum Schutz vor der Einschleppung von ASP-Viren müssen Jagdreisende in gefährdete Gebiete daher auf ein besonders hohes Maß an Hygiene achten. Dazu gehören neben gründlicher Reinigung und Desinfektion von Schuhen und Kleidung auch die sorgfältige Behandlung aller Gegenstände, die mit Teilen eines Wildkörpers in Berührung gekommen seien könnten. Es wird daher empfohlen noch vor Ort die Kleidung zu waschen, Blutreste zu entfernen und Gegenstände anschließend zu desinfizieren und sogar das Auto, insbesondere Fußmatten und Kofferraum, einer Wäsche zu unterziehen. Es sollten nur Desinfektionsmittel verwendet werden, die für die Tierhaltung geeignet und DVG-gelistet sind; das Veterinäramt gibt hierzu gerne weitere Hinweise.

Von der Mitnahme von Fleisch der erlegten Wildschweine ist äußerst dringend abzuraten. Das Virus der ASP ist extrem widerstandsfähig und überlebt selbst in gepökelten Fleischwaren über mehrere Wochen und Monate.  

Überlebensdauer des ASP-Virus (Quelle: Farez & Morley, 1997).

 

Material

Überlebenszeit

 

 

Blut/Serum

6 Jahre bei Kühlschranktemperatur

> 4 Monate bei Zimmertemperatur

30 Minuten bei Temperatur 60°C

Schlachtkörper

7 Monate (4 – 8°C)

Gefrierfleisch

6 Jahre

Kühlfleisch

104 Tage

Parmaschinken

399 Tage

Salami

30 Tage

Holzteile

190 Tage

Blutverseuchter Erdboden

205 Tage

 

Laut FLI führt die ASP-Infektion bei europäischem Schwarzwild zu sehr schweren, aber unspezifischen Allgemeinsymptomen wie Fieber, Schwäche, Fressunlust, Bewegungsstörungen und Atemproblemen. Durchfall und Blutungsneigung (Nasenbluten, blutiger Durchfall, Hautblutungen) können ebenfalls auftreten. Erkrankte Tiere zeigen mitunter eine verringerte Fluchtbereitschaft („Liegenbleiben in der Suhle“) oder andere Auffälligkeiten wie Bewegungsunlust und Desorientiertheit. Die Erkrankung betrifft alle Altersklassen und Geschlechter gleichermaßen und führt in nahezu allen Fällen etwa innerhalb einer Woche zum Tod des Tieres. Beim Aufbrechen vermeintlich gesunder Tiere sollte grundsätzlich auf vergrößerte, „blutige“ Lymphknoten, eine vergrößerte Milz und feine, punkt- oder flächenförmige Blutungen in den Organen, der Haut oder Unterhaut geachtet werden. Die Lunge und die Atemwege sind häufig mit Schaum gefüllt.